Europäische Werte im Fokus beim Jugendforum in Minsk, 14.-15. April 2012

Am 14.-15.04 trafen sich Jugendliche aus belarussischen Regionen zum Forum „Jugend für eine sichere, gerechte und humane Welt“ in Minsk. Die Teilnehmer wollten der Frage nachgehen, welche Schritte notwendig sind und was getan werden sollte, damit Belarus als ein gleichberechtigter Partner in Europa wahrgenommen werden könnte. Dabei handelt es sich nicht um eine Aufnahme des Landes in der EU, sondern um die Überwindung der mentalen Hürden. Das Jugendforum in Minsk, in Rahmen dessen diese und viele weitere Fragen zur EU-Belarus Beziehungen behandelt werden, ist ein Teil des langjährigen Programms „Jugend für eine sichere, gerechte und humane Welt“. Es wird vom Jugendzentrum „Zukunftswerkstatt“ unter der Federführung der Belarussischen gemeinnützigen Stiftung „Den Kindern von Tschernobyl“ organisiert.

Das Forum stellte die Frage, welche Faktoren in (1) Wirtschaft, (2) Politik und (3) Sozialem Bereich eine bessere Kooperation zwischen der EU und Belarus hindern und was verändert werden sollte. Die direkte Nachbarschaft zur Europäischen Union sowie die geopolitische Lage des Landes könnten für Belarus und andere europäische Staaten viele Chancen und Kooperationsmöglichkeiten bieten, die für alle vorteilhaft sein können. An der Podiumsdiskussion über Europäische Werte nahm Maria Davydchyk teil.

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Bologna-Prozess in Belarus: Ein Überblick bis 2010

Bis 2010 gab es in Belarus auf der Ebene der offiziellen staatlichen Politik keine Entscheidung über den Beitritt des Landes dem Bologna-Prozess. Belarus blieb somit das einzige europäische Land, das die Bologna-Deklaration nicht unterschrieben und sich an den Prozess der Bildung des gemeinsamen europäischen Ausbildungsraumes nicht angeschlossen hat [1]. Zwar ratifizierte Belarus noch 1993 die Europäische Kulturkonvention und hatte theoretisch Möglichkeit, Reformen im Bildungswesen durchzuführen. Und im Jahr 2003 war das Land in einem Schritt vom einheitlichen europäischen Bildungssystem. Die belarussische Delegation äußerte damals auf dem Berliner Gipfel der EU-Bildungsminister die Bereitschaft, die Deklaration zu unterschreiben. Jedoch betrachtete die Führung des Landes eine Veränderung des Systems der Hochschulbildung als eine Bedrohung. Denn der Bologna-Prozess setzte nicht nur politische Ziele, sondern auch die Prinzipien der Demokratisierung und der Humanisierung des Bildungswesens durch pädagogische Technologien voraus.

Der politische Klimawechsel zwischen Minsk und Brüssel führte zu neuen Diskussionen um den möglichen Beitritt. Am 29. Januar 2010 teilte der belarussische Bildungsminister Alexander Radkow auf dem Kollegium des Amtes mit, dass sein Ministerium das offizielle Dokument über den Beitritt des Landes dem Bologna-Prozess der Präsidialadministration vorstellt hatte. Jedoch war der politische Wille des Präsidenten nicht ausreichend genug, diesem Vorhaben zuzustimmen.

Am 7. Juni 2010 veranstaltete der belarussische Staatschef ein Beratungstreffen: Die Entwicklung des Hochschulwesens und die Perspektiven der Teilnahme Belarus´ am Bologna-Prozess wurden zur Diskussion gestellt. Dennoch unterstützte das Staatsoberhaupt den ministeriellen Enthusiasmus auch diesmal nur mangelhaft und sprach sich gegen jegliche Reorganisationen und Reformen in der Bildung aus.

Der plötzliche Stimmungswechsel kam allerdings ein Monat später. Alexander Lukaschenko gab am 23. Juli 2010 dem Bildungsminister in Auftrag, den Anschluss der Republik Belarus an den Bologna-Prozess zu beginnen, so der Pressedienst des Präsidenten.

Bis 2010 gab es in Belarus auf der Ebene der offiziellen staatlichen Politik keine Entscheidung über den Beitritt des Landes dem Bologna-Prozess. Belarus blieb somit das einzige europäische Land, das die Bologna-Deklaration nicht unterschrieben und sich an den Prozess der Bildung des gemeinsamen europäischen Ausbildungsraumes nicht angeschlossen hat [1]. Zwar ratifizierte Belarus noch 1993 die Europäische Kulturkonvention und hatte theoretisch Möglichkeit, Reformen im Bildungswesen durchzuführen. Und im Jahr 2003 war das Land in einem Schritt vom einheitlichen europäischen Bildungssystem. Die belarussische Delegation äußerte damals auf dem Berliner Gipfel der EU-Bildungsminister die Bereitschaft, die Deklaration zu unterschreiben. Jedoch betrachtete die Führung des Landes eine Veränderung des Systems der Hochschulbildung als eine Bedrohung. Denn der Bologna-Prozess setzte nicht nur politische Ziele, sondern auch die Prinzipien der Demokratisierung und der Humanisierung des Bildungswesens durch pädagogische Technologien voraus.

Der politische Klimawechsel zwischen Minsk und Brüssel führte zu neuen Diskussionen um den möglichen Beitritt. Am 29. Januar 2010 teilte der belarussische Bildungsminister Alexander Radkow auf dem Kollegium des Amtes mit, dass sein Ministerium das offizielle Dokument über den Beitritt des Landes dem Bologna-Prozess der Präsidialadministration vorstellt hatte. Jedoch war der politische Wille des Präsidenten nicht ausreichend genug, diesem Vorhaben zuzustimmen.

Am 7. Juni 2010 veranstaltete der belarussische Staatschef ein Beratungstreffen: Die Entwicklung des Hochschulwesens und die Perspektiven der Teilnahme Belarus´ am Bologna-Prozess wurden zur Diskussion gestellt. Dennoch unterstützte das Staatsoberhaupt den ministeriellen Enthusiasmus auch diesmal nur mangelhaft und sprach sich gegen jegliche Reorganisationen und Reformen in der Bildung aus.

Der plötzliche Stimmungswechsel kam allerdings ein Monat später. Alexander Lukaschenko gab am 23. Juli 2010 dem Bildungsminister in Auftrag, den Anschluss der Republik Belarus an den Bologna-Prozess zu beginnen, so der Pressedienst des Präsidenten.

Zunächst sollen Dokumente durch die EU-Experten begutachten werden. Dafür werden sie Belarus besuchen und sich ein Bild von der Bereitschaft des Landes vor Ort machen. Weiter übernimmt die Konferenz der europäischen Bildungsminister die Entscheidung über den Anschluss. Diese findet nur alle drei Jahre statt. Insofern kann von einem möglichen Beitritt erst 2012-2013 gesprochen werden.


[1] 46 Staaten sind dem Bologna-Prozess beigetreten. Aus den Ländern ehemaliger UdSSR haben Russland, die Ukraine, Moldova, Georgien, Armenien, Aserbaidschan und im März 2010 auch Kasachstan die Deklaration unterschrieben

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